Männerhof − Ein Sportfeld mit Ecken und Kanten und eine weiche Sitzlandschaft
Es geht um Aufhellung eines beschatteten Raums und darum, in das Grau teilweise Grün zu färben.
Aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung im ebenerdigen Männer−Spazierhof kann hier keine Wiese
blühen. Der Hof ist außerdem kleiner als der kleinste Bambini−Fußball−Platz und hat Ecken und Kanten.
Das Konzept macht den Hof dennoch zum Sportplatz, mit kleinen Abstrichen und möglichen neuen Per−
spektiven. Die Un−Bedingungen werden auf humorvolle Weise in das ästhetische Konzept mit eingebaut:
Ein Bambini−großes Fußballfeld aus Kunstrasenbelag wird in die Form und Topographie des Platzes
“reingefaltet”. Dort, wo das Feld nicht weiterlaufen kann, weil eine Wand im Weg steht, faltet sich der
Platz die Wand hoch. Und weil kein Gras wächst, ist er aus Kunstrasen. (Dieser kommt auf Sportplätzen
außerhalb von Gefängnissen oft zum Einsatz, weil Wartung, Haltbarkeit und Spielqualität ohnehin besser
sind als im Fall von Natur−Wiese.)
Durch die Überlagerung von Aufenthalts− und Sportzonen wird der kleine Außenraum zu mehreren Außen−
räumen: die Summe der “schaltbaren” Raum−Nutzungen macht ideell aus 1m² konzeptuell mehrere m²:
Basketball quer, Fußball − verkleinert − längs im Hof, Badminton in Originalgröße, Sitzlandschaft in der
maximal besonnten Zone, etc.
Frauen−Spazierhof − Eine Sitz− und Sportlandschaft als Schattenwurf
Nicht um Lichtschatten, sondern um Blickschatten geht es bei dem Element für den Frauen−Spazierhof,
und darum, dass das pure Grün mit festem Grau gemischt wird. Eine Beton−Skulptur auf Sitz−Höhe
zeichnet die Zone in dem Hof nach, die vom Männer−Trakt aus nicht einsehbar ist, also im Blickschatten
der Blicklinie von der äußersten Zelle im Mittel−Trakt liegt. Die an sich unsichtbare Sichtlinie spannt mit
der Fassadenkante eine dreieckige Plattform auf, die entlang der Fassade eingeschnitten ist und Kuhlen
bildet.
Auch dabei gibt es eine Umkehrung, wird wieder eine Pflicht zur Kür: Damit die Fenster zur Werkstätte
vollflächig belichtet sind, entstehen rund um sie herum Kuhlen, die wie “Sitzinseln” in unterschiedlichen
Größen, einsames Sitzen, gemeinsames Sitzen in verschiedenen Gruppengrößen ebenso ermöglichen,
wie sie anders betrachtet eine Art Sport−Parkour−Landschaft entfalten. Die Blick−Schatten−Skulptur bietet
somit Raum zum Sitzen, Liegen, Rasten, für Ruhe ebenso wie für Bewegung. Während sie im Blick−
schatten liegt, ist sie doch den größten Teil des Tags besonnt.
Bei beiden Höfen werden die InsassInnen durch Mitgestaltung und Instandhaltung Mitgestaltende eines
Teilhabe− und Entwicklungs−Prozesses.
Architektur: Gabu Heindl
Mitarbeit: Daniel Ehrl
Ausloberin: BIG − Bundesimmobiliengesellschaft
Wettbewerb und Realisierung: Krems, 2010